Interview mit Startup Valley News
10 Dez 2020

Interview mit Startup Valley News

Bitte stellen Sie sich und das Startup Circuit Booking unseren Lesern kurz vor!

Sebastian: Motorsport-Nerd klingt nicht unbedingt schmeichelhaft, aber es ist eine gute Beschreibung. Ich habe das große Glück, dass ich in meinem Job zwei Leidenschaften miteinander verbinden kann - Motorsport und digitale Prozesse. Ich habe nicht nur Technische Informatik an der RWTH Aachen studiert, sondern konnte als langjähriger Leiter der Formel BMW auch meine Begeisterung für den Motorsport voll ausleben. Als Gründer von circuit-booking.com kann ich nun seit zehn Jahren beide Leidenschaften miteinander verbinden. Unser Start-up circuit-booking.com ist ein digitaler Marktplatz für weltweite, exklusive Rennstreckenbuchungen. Konkret bedeutet das, dass wir Automobilhersteller, Automobilclubs oder Eventveranstalter und neuerdings auch private Motorsportfans in allen Phasen des Buchungsprozesses von Strecken unterstützen, die zum Beispiel im Rahmen von Fahrzeugtests, Track Days, Incentives oder Trainings benötigt werden.


Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Sebastian: Online-Marktplätze funktionieren schon seit Jahren sehr gut. Was bei Hotelzimmern oder Flügen längst Standard ist, fehlte im Motorsport bisher völlig. Die Geschäftsabwicklung in der Branche ist noch sehr analog und auch kompliziert. Während meiner Zeit bei BMW war es daher oft lästig, Rennstrecken zu buchen und zu beauftragen. Kundenservice war aus Sicht der Rennstrecke keine große Sache. Eine Rennstrecke kostet bis zu 30 TEUR / Tag und man wurde oft nicht ernst genommen, wenn man nach 4-5 Tagen am Stück fragte.

Hier wurde viel Potenzial verschenkt, was wir, Dr. Carsten Tilke und ich, ändern wollten - die Geburtsstunde von circuit-booking.com.


Was ist die Vision hinter Circuit Booking?

Carsten: Mit circuit-booking.com wollen wir das Trackday- und Motorsport-Trainingsgeschäft digitaler, transparenter und einfacher machen und damit die Wertschöpfungskette konsequent erweitern.


Was waren bisher die größten Herausforderungen von der Idee bis zum Launch und wie habt ihr euch finanziert?

Sebastian: Am Anfang haben wir uns selbst finanziert und dann nach und nach das Geschäft aus den laufenden Einnahmen ausgebaut. Echte Investoren kamen erst später dazu. Eine Herausforderung war ganz klar die Erschließung neuer Märkte. Wir haben gleich im ersten Jahr nach der Gründung versucht, in den nordamerikanischen Markt einzusteigen und dachten, wir könnten den Markteintritt aus dem Cashflow, über Bootstrapping und bestehende Kontakte zu OEMs finanzieren. Ein paralleles Wachstum in beiden Ländern mit einem kleinen Team und ohne traditionelle VC-Finanzierung war einfach unmöglich, so dass wir uns nach 1,5 Jahren aus dem US-Markt zurückziehen mussten. Wir haben also noch eine Rechnung mit dem nordamerikanischen Markt offen und werden wiederkommen!

Eine weitere Herausforderung: gute Software-Entwickler zu finden.


Wer ist die Zielgruppe von Circuit Booking?

Carsten: Wir sind ein digitaler Marktplatz für Autohersteller, Autoclubs, Motorsportveranstalter und neuerdings auch für private Motorsportfans, die im Rahmen von Motorsporttrainings und Trackdays ihr Hobby auf der Rennstrecke ausleben wollen.


Wie funktioniert Circuit Booking? Was sind die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Sebastian: Gute Erreichbarkeit, einfache Buchbarkeit und konsequente Digitalisierung sind entscheidende Wettbewerbsvorteile für Eventveranstalter, gehören aber selten zu deren Kernkompetenz. Genau hier liegt der Vorteil für Eventveranstalter: Mit unseren digitalen Services sorgen wir für mehr Kunden, eine bessere Auslastung und eine schlanke Personal- und Kostenstruktur. Trackday-Veranstalter können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und die von uns zur Verfügung gestellten Daten nutzen, um ihren Kunden in Zukunft noch individuellere und damit relevantere Angebote zu machen. Der Vorteil auf Kundenseite ist die einfache und transparente Vergleichbarkeit der verschiedenen Angebote. Die Buchung erfolgt mit wenigen Klicks, Zahlungsvorgänge und Abrechnung sind transparent und sicher. Der Kunde kann seine gesamte Trackday-/Trainingssaison optimal planen und hat nur einen Ansprechpartner während des Buchungsprozesses. Circuit-booking.com ist eine One-Stop-Shopping-Lösung - es gibt derzeit nichts Vergleichbares.


Wie hat sich Ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Carsten: Corona hat zu einer stärkeren Fokussierung auf die Digitalisierung seitens unserer Kunden und zu einer erhöhten Nachfrage nach White-Label-Softwarelösungen geführt.

Wir haben einen deutlichen Umsatzrückgang im Bereich der Vermittlung von Exklusivvermietungen von Rennstrecken zu verzeichnen, den wir durch unsere anderen Umsatzsäulen kompensieren konnten, ohne unsere Kostenstruktur groß verändern zu müssen.

Der Umsatzrückgang hat "nur" unser organisches Wachstum gehemmt und uns veranlasst, mit weniger wirtschaftlichem Risiko in Produktentwicklung und Personalstruktur zu investieren, als wir es ohne Corona hätten tun können. Im Vergleich zu anderen Unternehmen im Motorsportumfeld klagen wir aber immer noch auf einem relativ hohen Niveau.

Gleichzeitig haben wir die Chance ergriffen, mit dem B2C Trackday Marketplace ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, das für alle Marktteilnehmer neue, professionelle Buchungs- und Vermarktungsmöglichkeiten bietet, die der einzelne Marktteilnehmer auf die Schnelle nicht erschließen kann.


Wie haben Sie sich darauf vorbereitet und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Carsten: Wir wussten schon länger, dass wir für jede Art von B2C-Geschäft zusätzliche Investoren benötigen würden, da ein B2C-Geschäft in der Anfangsphase typischerweise sehr kapitalintensiv ist.

Im Rahmen eines bestehenden Beratungsprojektes konnten wir Michael Mücke, Geschäftsführer von Mücke Roth & Company, als neuen Investor gewinnen.

Durch unsere neue Gesellschafterstruktur sind wir nun "VC-ready", um unsere B2C-Wachstumsstory zu starten und haben die Möglichkeit, durch Michaels Netzwerk und Expertise strategisch interessante Business Angels und VCs anzusprechen.


Wo seht ihr die Chance in der Krise?

Sebastian: Wir gehen davon aus, dass insbesondere Rennbahnen offen für neue Kooperationsformate sein werden, da ihre bisherige Haupteinnahmequelle "Exklusivvermietung" zurückgehen wird und sie daher selbst neue Einnahmequellen erschließen müssen. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung im Rennbahnmarkt verfügen wir über eine Vielzahl von Konzepten zur Erschließung dieser Quellen. Im Jahr 2020 hatten unsere Rennstrecken- und Motorsport-Kunden aufgrund des fehlenden Tagesgeschäfts bereits mehr Zeit für die Konzeption neuer (digitaler) Kooperationen, wodurch wir schneller vorankommen konnten, als es während einer normalen Motorsportsaison möglich gewesen wäre.


Wo geht der Weg hin? Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Carsten: In 5 Jahren wird Circuit Booking der weltweit führende B2C-Trackday-Marktplatz sein, der über verschiedene technische Schnittstellen tief im Ökosystem der Automobilkonzerne verankert ist.


Zum Abschluss: Welche 3 Ratschläge würdet ihr angehenden Gründern geben?

Sebastian: Die klassischen Tipps für Gründer haben andere schon gegeben. Hier also die allgemeinen Tipps, die immer helfen - gerade im Business.

1.) Aufrichtigkeit gegenüber Kunden, gerade im B2B-Bereich, wo die persönliche Beziehung eine wichtige Komponente ist. Ehrliche Beratung ist wichtiger als kurzfristiges Gewinnstreben. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass es nicht von Nachteil ist, wenn man z.B. sagt: "Wir wollen dieses oder jenes nicht für Sie programmieren, weil andere das besser können und wir das Rad nicht neu erfinden müssen."

2.) Geduld, Hartnäckigkeit und Biss zahlen sich aus, vor allem im B2B-Bereich: Wir haben Kunden, die sechs Jahre brauchten, um zu erkennen, dass die IT-Lösung, die wir ihnen ursprünglich anboten, die beste für sie war - und dann unterschrieben. Ein anderer Kunde hat nach dem achten Angebotswechsel genau das Angebot unterschrieben, das dem 1. Angebot entsprach.

3.) Stellen Sie Mitarbeiter ein, die Dinge besser können als Sie, denn nur so kommen Sie wirklich weiter. Natürlich werden Sie als Gründer im Falle eines Exits in der Außenwahrnehmung ohnehin den ganzen Ruhm ernten, daher hat "Ego" im Unternehmen und im Tagesgeschäft absolut keinen Platz.


Originalquelle: https://www.startupvalley.news/de/circuit-booking/